Der Blog von unserer Ferienreise vom Norden, resp. etwas südlicher davon, in den Norden, resp. in den Westen.

Von kleinen und grossen Zipfeln

Freitag, 13. Juli 2007: Den ersten Hitzeschock hatte der Bedürftige schon um 7 Uhr morgens, als ihn die volle Blase unerbittlich aus dem Bett und auf die Toilette trieb. Fror er sich im Innern der Hütte fast den Zipfel ab, so erwartete ihn draussen bereits eifrig gestiegene Temperaturen. Gleichwohl wurde dem Motto „Morgenstund hat Gold im Mund überhaupt nicht gefrönt, sondern sich nach verrichteter Entlastung wieder den Geschichten des Kopfkissens gewidmet. Drei Stunden Hochspannung waren noch dergestalt noch einmal garantiert.

Zum Zeitpunkt des effektiven Aufstehens hatte sich die Raumtemperatur jener ausserhalb der vier Wände (aus viel mehr besteht die Hütte tatsächlich nicht, hat aber einen Kühlschrank, Betten und einen Tisch, was vollends reicht) nicht nur angenähert, sondern sie gleichsam wohl um ein paar Zehntelpunkte übertroffen. Der Benzinkocher wurde von Marco abermals gereinigt, da nach dem bleifreien Sprit des Gäddeder nun wieder sauberes und reines Benzin, mit dem jedoch Autos nur sehr wenig anfangen können, gefüllt. Dies entwickelt weniger Russ, doch mussten die Rückstände des Blei- aber sonst nicht so schadstofffreien Mosts bereinigt werden. Kaffee gab es natürlich zum Frühstück und wie gewohnt Brötchen, etwas Fleisch (Lammsalami) und Käse sowie für den Vitaminhaushalt Orangensaft.

Ansonsten stand der Tag ganz und gänzlich im Zeichen unserer Vorfahren resp. einfach der Bronzezeitmenschen, weil unserer eigentlichen Vorfahren im genetischen Sinn ja kaum in Bohuslän ihr Dasein gefristet hatten. Aber man weiss ja nie. Auf alle Fälle – und darauf wurde gestern schon hingewiesen – standen die Felsritzungen oder Zeichnungen von Tanum – und zwar alle – auf unserem Besichtigungs-Programm. Das Museum mit dem Vitlyckes-Felsen war freundlicherweise gleich im angenehmen Gehabstand des Zeltplatzes und wurde auch entsprechend per pedes anvisiert – obwohl ein nicht VCS-tauglicher dafür praktischer Parkplatz in der Nähe vorhanden gewesen wäre.

Die Zeichnungen sind wie schon angedeutet vor rund 3000 Jahren in den Stein geritzt worden. Und weil wir ja das Thema Umweltschutz schon ansatzweise ins Feld geführt haben, sei noch ergänzend bemerkt, dass die historischen Stätten nunmehr irgendwo in einem Wald liegen, ursprünglich jedoch direkt am Meer gefertigt worden sind. Der Meeresspiegel ist heute trotz Klimaerhitzung, von der in den letzten Tagen nix zu spüren war, deutlich tiefer. Wer für die Ritzungen, die eine Art Höhlenmalerei ohne Höhle und ohne Malerei sind (die heute ersichtliche Farbe ist erst später von den Fooooooschern draufgepinselt worden, damit es die dämlichen Touristen auch tatsächlich sehen können, das Zeugs), genügend Zeit einberechnet, macht sicher keinen Fehler. Spannend ist es allemal, auch wenn man nicht alles glauben soll, was in den Museen resp. im Museum einem so vorgegaukelt wird.

Was neben den vielen Figuren von Schiffen und Tieren auffällt, ist bei Menschen die (über?)grosse Darstellung des männlichen Geschlechtsorgans. Nun waren entweder bereits die vorzeitlichen Männer spitze Sieche, oder sie waren im Austausch mit anderen Kulturen vom Gehänge der afrikanischen Freunde tief beeindruckt – oder es ist einfach eine Darstellung der Fruchtbarkeit. Auch möglich. In Fossum übrigens sind noch Felsritzungen in Original, also ohne Nachpinselung, zu sehen. Hier kommt die Wirkung, die die Zeichnungen im gleissenden Sonnenlicht (in unserem Fall heute) oder bei Nässe (ist nur zu erahnen) haben, noch zum Tragen.

Der Zeltplatz behagt uns durchaus, auch wenn es in der Bewertung für die Nachbarschaft wie schon erwähnt leichte Minuspunkte gibt. Heute sind auch die Hütten direkt links und rechts von uns bezogen worden. Zum einen Ostdeutsche, denen wir das einmal galant nachsehen wollen, weil sie ganz nett zu sein scheinen, und auf der anderen Seite – so vermuten wir – Norweger. Der Kerl ist zwar mit seinem Auto fast über unseren Grill (mehr dazu später) gefahren, liess sich aber zu keiner Gefühlsregung oder einem „Hej“ hinreissen. Wir wollten deshalb diese Nachbarn erst mit ähnlicher Ignoranz in unserem Blog bestrafen, aber dann hättest Du lieber Leser ja davon gar nichts erfahren. Und dieses Fehlen von Wissen konnten wir im besten Gewissen nicht verantworten.

Dazu sei noch ein paar Zeilen angehängt zum Personal, das über den oberfreundlichen Chef hinausgeht. Dieser wirkt etwa so, wie er in einer ersten Vermutung uns (völlig falsch) eingeschätzt hat, und wir sind froh, hat er bisher nur ansatzweise euphorisch gewunken, wenn er uns sah, und noch nicht mit rosa Wattebällchen nach uns geworfen. Vielmehr wollte ich noch etwas zum Reinigungspersonal sagen, mit dem wir jedoch bis dato nur sehr peripher in Kontakt gekommen sind. Anstellungsbedingung scheint jedoch ein Mindestgewicht zu sein, das wiederum von einer dieser jungen Frauen allerdings massivst unterschritten wird. Durchaus spannender sind die Pausengespräche der Fräuleins, die im Deutschunterricht einen Fensterplatz gehabt hatten. Eine erklärte, wie sie bei einer deutschen Familie die Hütte reinigen musste, und der temporäre Herr des Hauses Instruktionen gegeben habe. So richtig verstanden hatten sich beide in jedem erdenklichen Sinne offenbar nicht. Eine andere führte – auf schwedisch – ihre Sprachkenntnisse, die sich auf zwei Sätze beschränken aus: „Ich liebe dich“ und „Wo ist dein Geld“. Immerhin gab es noch einen Versuch im Originalton: „Iiisch heisse…“.

Damit wären wir beim Lieblingsthema, und nein, es nicht die Viel-Fil-Philosophie, von der wir gestern ja explizit nicht sprachen. Neben den spärlichen Mahlzeiten unter Tag (das Frühstück wurde schon abgehandelt, das Mittagessen besteht wahlweise aus zirka drei Reiheli Schoggi mit Daimstückli oder nur einem Schluck Fanta resp. Coca Cola Zero) dominiert das Abendessen mit Fleisch vom Grill. Der heutige Einkauf sah nur eine Sorte Fleisch vor, dafür davon gleich 1,188 kg. Für diese Menge nahmen wir gleich zwei der mehr als nur sehr geliebten Wegwerfgrills in Betrieb – angefeuert unter Zuhilfenahme einiger Tropfen Anzündflüssigkeit – und füllten uns die Bäuche. Korrekt serviert wurde das Fleisch in Marinade und mit Kräuterbutter Café de Paris; alles aus dem Sortiment des Tanumheder ICA. Um die Sache auch schön abzunden noch je eine Viertel Gurke mit etwas Aromat. En Guete.

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